14.07.2017–23.07.2017

Kulturzentrum Řehlovice

Proudění | Strömungen 2017

Das Symposiumsthema ist diesmal Opfer & Hingabe. Schauen Sie sich an, wer daran teilnimmt und was die Teilnehmer erleben und machen.

Das Projekt wird vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt.

Text zum Thema

Das Ziel des Projektes ist es die Breite und die Möglichkeiten der künstlerischen Bearbeitungen sowie die Wirkung von Kunst zu zeigen. Das Projekt regt zum gemeinsamen Kennenlernen und zur Kommunikation zwischen deutschen und tschechischen Künstler an, bringt Künstler beider Nationen zusammen und  gibt ihnen Raum für gemeinsames und/oder gegenseitig inspirierendes Arbeiten. Die entstehenden Werke laden zum Nachdenken ein, befördern den Diskurs über aktuelle Themen und bieten dem Publikum Raum zur Reflektion wichtiger Fragestellungen. Jedesmal versuchen wir mit neuen Themen diese Reflektionen zu fördern.

Für den 17. Jahrgang des Symposiums haben wir ein künstlerisch interessantes wie auch vielseitiges Thema „Opfer und Hingabe” gewählt, welches unerschöpflich viele Bedeutungen und mögliche Interpretation verbirgt – um nur einige zu nennen: Religionsopfer, Opfergaben, Opfermythos und Opferstigma, Opfer des Systems oder von  politischen Regimen, Sühneopfer. Gleichzeitig führt diese Begriffsfülle zur Fragestellung: „nie mehr Opfer” – ist das überhaupt möglich? 

Wie kann man überhaupt zum Opfer werden? Wie ist es in der Rolle des Opfers zu sein? Ist es möglich, diese Rolle zu verlassen? Wo liegt die Grenze zwischen hingebungsvollem Handeln und sich (auf)opfern?

Es ist in der Gesellschaft vorhanden und kann uns helfen, sofern wir es für ein Miteinander einsetzen. Hingabe ist ein starkes Gefühl, welches uns sehr berührt, wenn wir bis zur Selbstaufopferung für etwas bereit sind.

Diese Opferbereitschaft für die Gesellschaft ist bei vielen Frauen bekannt, sei es für ihre Familien oder in sozialen Dienstleistungen ohne eine entsprechende Entlohnung zu arbeiten. Die Gesellschaft wäre ohne ihre Hingabe eine andere und sie ist unbezahlbar.

Das Opferstigma tragen langhin Minderheiten von Menschen in der Gesellschaft (z.B. Juden, Roma u.a.). Wie kann man sich von dieser mit der Zeit  bereits kodierten Rolle des Opfers befreien? Kann man die Rolle des Opfers ein für allemal verlassen?

Von den Künstlern erwarten wir das Füllen des Themas mit eigenen Bedeutungen und Ideen. Wir sind uns sicher, dass das Ergebnis eine große Menge von interessanten, kreativen Umsetzungen sein wird. Der breite Rahmen des ausgewählten Themas und der großzügige Raum des Kulturzentrums ermöglichen volle Freiheit in der künstlerischen Verarbeitung.

Im Rahmen des Symposiums findet ebenso eine Podiumsdiskussion zum Thema „in der Opferrolle sein: wer ist in der Opferrolle, wer und wie kann man in die Opferrolle fallen, ist es möglich diese irgendwann zu verlassen?” statt. Es interessiert uns zudem die persönliche Sicht, als auch der  Blick auf ganze Gemeinschaften. Kann man grosszügig sein, über seinen Horizont schauen, wenn man sich nur als Opfer fühlt? Ohne Angst zu leben? Jeder von uns hat eigene Erfahrungen, jeder kann Opfer aber auch Täter sein.

Symposiumsteilnehmer

Helena Hlušičková

Die Bildhauerin Helena Hlušičková hat ihr Studium im Atelier für Keramik und Porzellan an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag absolviert. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit der figurativen Plastik und mit dem Objekt. Zusammen mit ihrem Mann, Jiří Hlušička, betreibt sie ein Atelier für Keramik- und Porzellandesign. Thema des Werkes, welches die Künstlerin während des Symposiums in Řehlovice anfertigt, ist Kassandra, die griechische Göttin und Prinzessin aus Troja.

Kristiane Uyandiran

Kristiane Uyandiran arbeitet mit Fotografie, Zeichnung und Malerei. Als Pädagogin widmet sie sich Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, wobei sie sich mit Elementarpädagogik befasst. Die Begriffe „Opfer“ und „Hingabe“ versteht die Künstlerin vor allem in Bezug auf das aktuelle gesellschaftliche Geschehen und die Situation in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Andre Uhlig

Als Drucker in Dresden ausgebildet, fokussiert Andre Uhlig sich in seiner künstlerischen Arbeit auf Grafik, Zeichnung und Malerei. Das Thema des Symposiums „Opfer und Hingabe“ interpretiert er in Blick auf die Natur: Was musste alles geopfert werden, um die Landschaft umzuformen? Und was alles opfert die Landschaft dem Menschen, damit dieser sich seinen benötigten Luxus gönnen kann?

Anne Barmeyer-Grunke

Charakteristisch für das künstlerische Werk der Berlinerin Anja Barmeyer-Grunke ist die Schichtung und Zusammensetzung verschiedener Materialien und Techniken. Während des Symposiums wird sie eine an die Widersprüchlichkeit der Begriffe „Opfer“ und „Hingabe“ anlehnende Installation gestalten.

Bernd Janning

Der deutsche Künstler Bernd Jannig widmet sich in seiner Installation für Řehlovice der Symbiose zwischen den beiden Begriffen „Opfer“ und „Hingabe“: Man wird zum Opfer, erwartet etwas, gibt sich hin und bleibt damit weiterhin Opfer – es entsteht ein endloser Teufelskreis...

Despina Olbrich – Marianou 

Despina Olbrich studierte Malerei und Mosaik-Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Athen, sowie Malerei und Grafik an der Akademie in München. Der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt in Installationen, Land-Art, Performances, Zeichnungen und in der Gestaltung von Textilien. Während des Symposiums in Řehlovice wird sie sich mit dem Thema der „Armut“ in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen sowie politischen Verhältnisse auseinandersetzen.

 

Doris Amann

Doris Amann studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in München. Derzeit beschäftigt sie sich mit dem Körper und der Körperlichkeit durch Thai-Massagen, Cranio-Sacral-Osteopathie und Biodynamik. Dem Thema in Řehlovice wird sie sich performativ durch ‚Hingabe zu sich selbst‘ nähern, wobei eine Massage-Matte, sowie das geschriebene Wort zur Verwendung kommen sollen.

Jana Krejzová

Jana Krejzová absolvierte die Fachschule für Keramik in Bechyně. Sie kreiert Objekte aus gebranntem sowie ungebranntem Ton und arbeitet außerdem mit site-specific-Installationen, Zeichnungen, Aquarell und Papier. Der Kernpunkt ihrer Werke sind die Umgebung, in welcher sie sich befindet, sowie die archetypische Form eines kleinen abgerundeten Behälters. Während des Symposiums wird sich die Künstlerin, basierend auf ihrer Yoga-Praxis, mit Hilfe des Beckens dem Thema Opfer nähern.

Brigitte C. Reichl

Die in München lebende Künstlerin Brigitte C. Reichel studierte Malerei und Grafik an der California State University in Sacrament und Malerei und Multimedien an der School of the Art Institute of Chicago. Der Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens liegt in der Gestaltung von Installationen sowie Objekten. In ihrer Installation für das Symposium in Řehlovice verarbeitet sie das allgegenwärtige „Opfer in uns selbst“, welches keiner Selbstreflexion fähig ist und für seine eigenen Traumata den Anderen die Schuld gibt.

Dagmar Cettl

Dagmar Cettl studierte Philosophie in Wien, Produkt- und Keramikdesign in Krefeld, sowie Grafik an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Sie arbeitet mit Grafik, Multimedien und Web-Design. Für Řehlovice  wird sich die Künstlerin in Form von Collagen und Bildern damit auseinandersetzen, wie den Begriffen „Opfer und Hingabe“ ein ganzes Netz von widersprüchlichen Bedeutungen zugeordnet werden kann.

Silke Budde

Die Künstlerin Silke Budde ist ausgebildete Kultur- und Kunstpädagogin. In ihrer Arbeit für das Symposium, einem Objekt ergänzt von Collagen und Zeichnungen, wird sie sich mit dem Thema „Opfer“ im positiven, biblischen Sinne beschäftigen - „sich opfern für jemanden oder für etwas“.

Christine Hackbarth

Die Künstlerin Christine Hackbarth studierte Bildende Kunst an der Akademie Faber-Castell. Sie fertigt vorrangig großformatige Ölgemälde an; manchmal durch Acryl, Tusch-Zeichnungen oder Collagen ergänzt. Ihre abstrakten Werke erzählen von äußeren und inneren Landschaften. Während des Symposiums in Řehlovice wird sie sich mit dem Motiv der Pieta befassen.

Lucas Oertel

Der christlichen Symbolik als Gegenstand einer künstlerischen Umsetzung des Themas „Opfer und Hingabe“ widmet sich auch der deutsche Künstler Lucas Oertel. In seiner Installation wird er sich mit dem Kruzifix-Objekt beschäftigen und damit, wie uns die christliche Ikonographie beeinflusst, obwohl sie heutzutage nicht mehr „zu hören ist“.

Vladimír Kovařík

Vladimír Kovařík studierte an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag; außerdem ist er derzeit Leiter des Ateliers Produktdesign an der Fakultät für multimediale Kommunikation an der Tomáš Baťa Universität in Zlín. Er kreiert vor allem großformatige Objekte und Installationen. Im Rahmen des Symposiums in Řehlovice wird er sich dem Thema der „falschen“ Opfer, denen des Systems und des Kapitalismus, annehmen.

Monika Marten

Monika Marten studierte an der Akademie der bildenden Künste in Dresden, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Technik der Collage und der Assemblage. Die Künstlerin wird eine Installation schaffen, welche auf die in den Trümmern der Dresdner Frauenkirche und der Kathedrale in Coventry gebliebenen Kriegsopfer verweist.

Gaby Baltha

Die deutsche Künstlerin und Grafikdesignerin Gaby Baltha wird sich in ihrer Arbeit für Řehlovice mit dem Thema der Opferung von menschlichen Seelen beschäftigen – diese opfern wir dem heutigen Lebenstempo einer Gesellschaft, in welcher sich jeder unter vernichtendem Leistung-Druck befindet.

Aneta Volrábová

Aneta Volrábová studierte Keramikdesign am Institut für Kunst und Design in Plzeň/Pilsen, sowie anschließend Kunstpädagogik für Kunstgrundschulen an der Palacký-Universität in Olomouc/Olmütz. Das Thema „Opfer und Hingabe“ findet die Künstlerin sowohl in Märchen, als auch in zivilen Motiven, welche sie während des Symposiums in durchscheinenden Papierscherenschnitten verarbeiten wird.

František Trost

Der Bildhauer František Trost verwendet während seines Schaffens Sandstein, Gips, aber auch Eis. Aus Sicht des Künstlers werden die Hingabe zum Glauben, sowie die Selbstaufopferung für die Arbeit, im tschechischen Landespatron des heiligen Prokop verkörpert, sodass er in Řehlovice eine Skulptur desselben präsentieren wird.

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