10.07.2026 - 26.09.2026

Galerie Gotické dvojče Litoměřice, Jezuitská 241/12a, 41201 Litoměřice

Ausstellung: Es kommt der Traum ins stille Land

Der Ausstellungstitel Es kommt der Traum in’s stille Land geschlichen geht auf eine Stropfe aus dem Gedicht Máj von Karel Hynek Mácha zurück. Mácha, dessen Leben und Werk sehr eng mit Litoměřice verbunden sind, entfaltet in diesem Gedicht nicht nur das tragische Schicksal des Menschen, sondern auch den Kontrast zwischen den stürmischen menschlichen Gefühle und der stillen Schönheit der Natur. Er beschreibt den Moment, in dem die Nacht über die Landschaft hereinbricht: Die Landschaft versinkt in Dunkelheit, Stille und Ruhe. Mit der Nacht kommt auch alles andere, was mit ihr verbunden ist – Geheimnis, Melancholie und ihre magische Atmosphäre. Gerade dieses Spannungsfeld – zwischen Natur und menschlicher Präsenz, gleichzeitig dem Vergänglichem und dem Bleibendem, zwischen dem Licht und der Dunkelheit – bildet den gemeinsamen Bezugsrahmen für die Arbeiten von Klara Paterok und Ilona Staňková.

Beide Künstlerinnen begreifen den Raum als aktives Medium. Mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln und Herangehensweisen schaffen sie in der Galerie einen Ort der Transformation – einen Raum, der zugleich an eine Landschaft erinnert, durch die sich die Besucher*innen bewegen können. Die gemeinsame Intervention auf dem ursprünglich dunklen Holzboden der Galerie zeichnet die Anwesenheit der Besucher*innen auf. Es entsteht eine natürliche, fortlaufende Aufzeichnung menschlicher Bewegung: Jeder Besucher, jede Besucherin hinterlässt einen Abdruck im Raum. Die so entstehende „Grafik“ erinnert an das Relief einer Landschaft – sie wird zur Spur des Ereignisses und zur Gedächtnis der Berührung. Máchas Stropfe ist damit weit mehr als ein literarisches Zitat. Sie lädt dazu ein, langsamer zu werden und den Raum sensibel und aufmerksam wahrzunehmen und in ihn einzutauchen – einen Raum, in dem Natur und die menschliche Präsenz sich begegnen und Wahrnehmung, Erinnerung und Imagination miteinander in Beziehung treten. In ihrer Vergänglichkeit und gleichzeitig ihrem ständigen Wandel.

Über die Künstlerinnen

Klara Paterok

Absolventin der Kunstakademie in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Wien. In ihren Arbeiten nutzt sie unterschiedliche Medien wie Zeichnung, Installation und Textil. Ausgangspunkt ihrer Installation aus der Serie „Soft Roofscapes“ (weiche Dachlandschaften) war ihr Aufenthalt in Indien. Dort faszinierte sie die provisorischen, farbenbunten Beschattungskonstruktionen auf der Marktstätten, charakteristisch für die den Ort und die dortige Kultur – gebaut aus Planen, mit Sonnenschirmen, Stoffen und Jute im Laufe des Tages ergänzt, nach Bedarf, mit dem Lauf der Sonne, als Schutz vor der strahlenden Sonne, Eine temporäre textile Architektur, welche vor den Einflüssen des Wetters schützen soll.

Im Zentrum ihres Interesses stehen Form und ästhetische Qualität dieser Strukturen: ihre Schichtung, das Zusammenspiel der einzelnen Ebenen und Farben sowie ihre architektonische Anordnung. Die Installation im Raum entwickelt sich zu einer räumlichen Skulptur, in der menschliche Eingriffe mit natürlichen Elementen und Spuren der Landschaft – Blättern oder Jute – verschmelzen. Indem sie diese Elemente in einen neuen Kontext überführt, eröffnet sie neue Zusammenhänge und Bedeutungen. Die Installation aus bedruckter und bemalter Seide scheint frei im Raum zu schweben und lädt die Besucher*innen dazu ein, in eine traumhafte, stille und imaginäre Landschaft einzutauchen.

Ilona Staňková

studierte an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag (UMPRUM) im Atelier für Glas, lebt und arbeitet in Jihlava. In ihrer freien künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Landschaft. Dabei arbeitet sie nicht nur instalativ, aber vor allem im Medium der Fotografie, mit Fotogrammen sowie der Camera obscura. Im Mittelpunkt ihres Interesses stehen die Landschaft der Böhmisch-Mährischen Höhe, ebenso wie Architektur und Spuren menschlicher Präsenz im Naturraum. Neben der Komposition und dem Bildaufbau spielen auch das Verhältnis von Licht und Schatten eine wesentliche Rolle in ihren Arbeiten.

Für die Ausstellung entwickelte sie – im Einklag mit ihrer pädagogischen Tätigkeit – eine interaktive Installation mit einer photolumineszierenden Fläche, die die Besucher*innen dazu einlädt, selbst gestalterisch tätig und bewusst aktiv zu werden. Das Publikum wird zum Mitgestalter des Bildes, das jedoch nur für begrenzte Zeit existiert, bevor es erneut von der Dunkelheit verschlungen wird. Die Installation thematisiert damit das menschliche Bedürfnis nach schöpferischem Handeln und Kreativität – einer der wertvollsten Fähigkeiten des Menschen – aber auch das Thema menschlicher Authentizität, und verweist zugleich auf Fragen von Vergänglichkeit und Erinnerung oder Gedächtnis.