10.07.2015–19.07.2015

Symposium Strömungen-Proudění 2015 NEBEL

Das Projekt zeigt die Möglichkeiten und die Kraft der Kunst. Es gibt den Künstlern den notwendigen Raum für gemeinsames und/oder gegenseitig inspirierendes Arbeiten. Es entstehen Werke, die zum Nachdenken anregen und das Publikum zu einer Reflektion wichtiger Fragestellungen führt. Jedes Jahr versuchen wir mit neuen Themen diese Reflektionen weiter zu führen.

Der Nebel hat einen großen Vorteil.
Statt der Fernsicht erlaubt er bisweilen mehr Einsicht.
Dr. Fritz P. Rinnhofer

 

Vor drei Jahren haben wir angefangen mit der Fragestellung, was ist die ständig präsente Krise, woher kommt sie, wer  verursacht sie. Nebel (Neuorientierung – Desorientierung?) folgt den Themen der letzten Jahre – Scharfer Wind, Weitermachen, Kraut und Rüben (Symposium in Dresden).

Nebel ist ein dichter, weißer Dunst über dem Erdboden, der für das Auge eine undurchdringliche Trübung der Luft ist und nur duch die Konzentration kleinster Wassertröpfchen zustande kommt. Von Wolken unterscheidet er sich nur durch den Kontakt zum Boden.

Dem Nebel verwandt ist auch der Smog (smoke+fog), er ist ein Endprodukt der Industrie und des Verkehrs und ist umweltschädigend. Nebel verschwindet nach einer Weile wieder und ist im Gegensatz zu Smog kurzlebiger. Dauert Smog allerdings an, fühlt man sich irgendwann selbst benebelt, weil die Luft um einen rum erfüllt ist von üblen, ungesunden Gerüchen und kaum Platz zum Atmen lässt.

Nebel wird immer wieder als künstlerisches Stilmittel aufgegriffen und der Hof bietet spannende Räumlichkeiten für interessante Konzepte. Wir haben somit 2015 ein Thema ausgewählt, das auch formal künstlerische Orientierung gibt.

Nebel macht die Dinge wunderschön.
Poets and painters have taught the loveliness of such effects.
They did not exist till Art had invented them.
Before Turner there was no
fog in London.
Oscar Wilde

 

Im Tschechischen bedeutet „vernebeln“ nicht die Wahrheit zu sagen. Aber nicht nur die Lüge setzt der Wahrheit zu, sondern auch die gegenwärtige Informationsflut lässt sie im Nebel verschwinden. Es ist ein Paradox des Informationszeitalters, dass die Meinungsfindung oder die politische Orientierung nicht leichter wird. Medieninhalte wirken oft wie Nebelgranaten und legen einen schützenden Schleier über gegenwärtige Verhältnisse.

Ob Ukrainekrise, Israel-Konflikt, Pegida-Aufmärsche oder die gerechte Verteilung von Ressourcen, es ist einfach auch schwer neben unserem alltäglichen Verpflichtungen ausreichend Zeit aufzuwenden, um den Durchblick zu bekommen. Und dann begibt man sich oft ins Gebiet des Informationskrieges, wo ein unerbittlicher Kampf um unser Denken herrscht. Das Internetzeitalter ermöglicht die aktive Teilnahme der Leser in den Foren und nicht selten sind diese Kommentarschreiber bezahlt um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Niemand hat die Wahrheit gepachtet, aber wenn man der Suche viel Zeit und Raum gibt, kommt man ihr näher. Genau diesen Rahmen bietet das Symposium auf dem weitläufigen Hof und gibt den Künstlern die Möglichkeit nicht nur im Nebel zu stochern, sondern zu forschen. Die Kunst als Wissenschaft.

 

Ich liebe den Nebel, denn er macht die Welt so klein,
dass ich sie verstehen kann.
Anonym

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